
Europas Gaspreise steigen auf höchsten Stand seit drei Jahren

Die europäischen Erdgaspreise sind am Mittwoch auf den höchsten Stand seit 2023 gestiegen. Auch der Ölpreis kletterte zeitweise auf ein Fünf-Wochen-Hoch von 97 US-Dollar je Barrel. Hintergründe seien die Wiederaufnahme der Kämpfe zwischen den USA und Iran und die wachsende Sorge vor einer Rückkehr zu einem offenen Krieg. Das berichtet die Financial Times am Mittwoch.

Der Preis für europäisches Erdgas am niederländischen TTF-Handelsplatz stieg erstmals seit Beginn des Krieges im Februar über 75 Euro je Megawattstunde. Der internationale Ölpreis Brent legte zeitweise um 2,5 Prozent auf gut 97 US-Dollar zu, bevor er einen Teil der Gewinne wieder abgab.
Auslöser waren neue US-Angriffe auf Iran am Dienstag. Nach der relativ ruhigen Phase im August wächst an den Märkten nun die Angst vor einer weiteren Eskalation. "Die Vorstellung, dass dieser Konflikt bis Weihnachten vorbei sein wird, schwindet rapide", sagte Mike Bell von RBC BlueBay Asset Management. "Das treibt die Märkte."
Washington und Teheran ringen um die Kontrolle der Straße von Hormus, einer wichtigen Route für den weltweiten Öltransport. Der Anstieg der Öl- und Gaspreise setzte am Mittwoch die internationalen Aktien- und Anleihemärkte weiter unter Druck und schürte erneut Sorgen vor einer längeren Phase erhöhter Inflation.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Mittwochmorgen auf 4,81 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2023. Auch die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen legte um 0,04 Prozentpunkte auf 3,37 Prozent zu. Damit liegen die Finanzierungskosten Deutschlands auf dem höchsten Niveau seit dem Jahr 2011.
In Großbritannien stiegen die Finanzierungskosten den zweiten Tag in Folge auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen kletterte um 0,04 Prozentpunkte auf 5,26 Prozent.
Der Anstieg der Gaspreise setzt insbesondere die europäischen Anleihemärkte unter Druck. Die Inflation in der Eurozone beschleunigte sich im August auf 3,3 Prozent, wie offizielle Daten am Dienstag zeigten. Die Energiepreise stiegen dabei um 14,3 Prozent. Mohit Kumar, Chefökonom für Europa bei Jefferies, sagte, das Investmenthaus fahre angesichts des gestiegenen Ölpreises sein Engagement in riskanteren Anlagen zurück.
Die Anleiherenditen erreichten inzwischen ein Niveau, bei dem ein weiterer Anstieg zunehmend negative Folgen für Aktien und Unternehmensanleihen haben dürfte, sagte Kumar. Die Futures auf den S&P 500 deuteten am Mittwoch auf weitere Verluste hin. Damit könnte der US-Leitindex seine bereits mehr als einprozentigen Verluste in dieser Woche ausweiten. An den asiatischen Aktienmärkten führten Japan und Südkorea, zwei große Ölimporteure, die Verluste an. Der Nikkei 225 fiel um 3 Prozent, der Kospi gab um 3,8 Prozent nach.
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