Köppel attackiert Berlin: Wer die Bahn nicht im Griff hat, sollte Russland in Ruhe lassen

Der Weltwoche-Chef spottet über Berlin: Züge kommen zu spät, aber Russland soll umerzogen werden. Köppel fordert, erst den eigenen Fahrplan zu reparieren, bevor man sich an der Weltpolitik versucht. Ein klarer Seitenhieb auf moralischen Übermut.

Roger Köppel, Chefredakteur und Verleger der Schweizer Weltwoche, hat erneut mit einer spitzen Bemerkung für Aufsehen gesorgt. Der Schweizer legt den Finger in die Wunde:

Wer es im eigenen Land nicht schafft, dass Züge annähernd pünktlich fahren, sollte sich nicht anmaßen, Russland in eine lupenreine Demokratie nach Schweizer Vorbild umzubauen.

Der Vergleich ist bewusst polemisch. Köppel stellt die chronische Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn dem aus seiner Sicht überzogenen außenpolitischen Anspruch gegenüber, Russland politisch "retten" oder umerziehen zu wollen.

Die Formulierung "Russland-Rettung" ist dabei sarkastisch gemeint. Es geht nicht um eine konkrete Hilfsaktion, sondern um den moralischen Größenwahn, den der Schweizer Publizist der deutschen und westlichen Politik vorwirft.

Köppel argumentiert, dass Glaubwürdigkeit und Kompetenz zuerst im eigenen Vorgarten bewiesen werden müssten. Die Deutsche Bahn liefert ihm dafür reiches Anschauungsmaterial. Im Fernverkehr liegt die Pünktlichkeitsquote seit Jahren bei rund 60 Prozent – gemessen an der bereits großzügigen Definition, wonach ein Zug erst ab sechs Minuten Verspätung als unpünktlich gilt. Baustellen, marode Infrastruktur, Personalmangel und überlastete Netze sorgen regelmäßig für Chaos. Für viele Pendler ist Verspätung längst Alltag.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Anspruch, ein Land mit elf Zeitzonen und einer völlig anderen politischen Kultur in eine funktionierende Demokratie nach westeuropäischem Muster verwandeln zu wollen, für Köppel geradezu absurd.

"Wer den Regionalzug nicht im Griff hat, sollte vielleicht kleinere Brötchen backen", so der Kern seiner Kritik.

Hinter dem Vergleich verbirgt sich eine tiefere Haltung. Roger Köppel ist längst eine Legende des unabhängigen Journalismus – einer der ganz wenigen, der den Mut besitzt, klar und unverblümt auszusprechen, was andere nur denken.

Als Publizist und Chefredakteur der Weltwoche formuliert er unbeirrt, was viele empfinden, aber kaum jemand auszusprechen wagt. Mit scharfer Kritik an der westlichen Russland- und Ukraine-Politik wirft er der deutschen Führung vor, in stürmischen Zeiten die Lage nicht im Griff zu haben und sich stattdessen in moralischer Selbstüberhöhung zu verlieren. Während im eigenen Land grundlegende staatliche Aufgaben stocken, werde außenpolitisch so getan, als ließen sich komplexe Großmächte nach eigenem Wunschbild umgestalten.

Gerade diese Haltung – klar, unzensiert und frei von Rücksicht auf den herrschenden Zeitgeist – macht ihn in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland zu einem der gefragtesten Redner. Seine Veranstaltungen sind regelmäßig ausgebucht.

Ob man seine Position zu Russland teilt oder nicht, der Hinweis auf die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit trifft einen wunden Punkt, den viele Bürger täglich spüren.

Köppels Kritik ist typisch schweizerisch, nüchtern, etwas bissig und auf Realismus bedacht. Sie erinnert daran, dass politische Glaubwürdigkeit nicht allein von guten Absichten abhängt, sondern auch von der Fähigkeit, das Naheliegende ordentlich zu erledigen. Bevor man die Welt neu ordnet, sollte der eigene Fahrplan stimmen.

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