Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ist zweifellos ein Zeichen für den Zusammenbruch einer sorgfältig aufgebauten und über viele Jahrzehnte hinweg gefestigten Weltordnung im Energiebereich.
Und das ist keineswegs übertrieben: Die Erklärung des Energieministers der VAE, Suhail Mohamed Al Mazrouei, ist vergleichbar mit einer Situation, in der der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in Washington vor die Öffentlichkeit getreten wäre und alle mit der Ankündigung überrascht hätte, dass die USA einseitig aus der NATO austreten würden. Die Wirkung wäre genau dieselbe: Auch wenn die Emirate zwar nicht zu den Gründungsmitgliedern der OPEC gehören, spielten sie doch ein halbes Jahrhundert lang eine der führenden Rollen in diesem Kartell und beeinflussten dank ihres ressourcenbedingten und damit auch geopolitischen Gewichts direkt die weltweiten Energiemärkte, setzten Trends und füllten großzügig die eigenen Staatskassen.
Zur Erinnerung: Ursprünglich wurde die OPEC im Jahr 1960 von den damals größten Ölförderländern gegründet, zu denen der Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela gehörten. Später wurde die Zahl der Mitglieder auf elf erweitert, wobei die Vereinigten Arabischen Emirate im Jahr 1967 beitraten. Laut den Protokollen der Konferenz in Bagdad bestand das ursprüngliche Ziel der OPEC darin, die Ölpolitik zu koordinieren, die Preise auf dem Weltmarkt zu stabilisieren sowie den Mitgliedsländern zuverlässige und stabile Einnahmen zu sichern. Ergänzend sei angemerkt, dass sich hinter diesen schönen Formulierungen – wie üblich – weniger das Bestreben verbirgt, Märkte und Preise zu stabilisieren, als vielmehr, diese zu steuern.
Zu diesem Zeitpunkt ging es für die Ölförderländer jedoch um eine Frage des Überlebens, da die OPEC als kollektives Gegengewicht zum Diktat des sogenannten "Sieben-Schwestern"-Kartells gegründet wurde. Hinter dieser harmlosen Bezeichnung verbarg sich ein inoffizieller Zusammenschluss der größten privaten Ölkonzerne: Exxon, Royal Dutch Shell, Texaco, Chevron, Mobil, Gulf Oil und British Petroleum (BP). Mit Ausnahme von Shell und BP handelte es sich dabei ausschließlich um US-amerikanische und zu einem späteren Zeitpunkt transnationale Unternehmen, die damals den weltweiten Ölmarkt de facto für sich beanspruchten und jeden, der versuchte, in dieses äußerst profitable Geschäft einzudringen, gemeinsam aus dem Markt drängten – so konnte Washington seinen Willen nicht nur mit dem Gewehr, sondern auch mit Öl durchsetzen.
Der OPEC gelang es, die Kontrolle über die Ölmärkte aus den Händen privater Akteure zu entreißen und diese Funktion auf staatlicher Ebene zu übertragen. Das Gegenmanöver der OPEC, das die Weltmarktpreise für das schwarze Gold stabilisierte und den privaten US-Ölkonzernen ihr Monopol entzog, wirkte für die "Schwestern" wie ein Kopfschuss. In der Folge verteidigten die OPEC-Mitglieder gemeinsam ihre eigenen Interessen und versuchten, starke Schwankungen sowie einen spürbaren Rückgang ihrer Einnahmen zu verhindern. Und da man sich stets den Starken anschließen will, kamen der OPEC ständig neue Mitglieder hinzu, und im Jahr 2016 wurde sogar eine parallele Kartellorganisation namens OPEC+ gegründet. Diese umfasst elf Länder, darunter Russland. Diese Erweiterung war größtenteils eine erzwungene Maßnahme aufgrund des Überangebots auf dem Ölmarkt, als sich einzelne Marktteilnehmer nicht einigen konnten und daher beschlossen, Probleme künftig gemeinsam am Verhandlungstisch zu lösen.
Natürlich konnte ein derart heterogener supranationaler Zusammenschluss von vornherein nicht konfliktfrei sein, weshalb der Austritt einiger Länder aus der OPEC keine historische Sensation darstellte. Zuvor waren bereits Katar, Indonesien, Angola, Gabun und Ecuador aus dieser Organisation ausgetreten. Einige Länder traten aus und kehrten später zurück, andere traten endgültig aus.
Und nun, im Mai 2026, sind die Vereinigten Arabischen Emirate an der Reihe.
Äußerst interessant sind die vom Energieminister der VAE dargelegten Beweggründe für diese Entscheidung. Erstens wurde sie hinter verschlossenen Türen getroffen – ohne Rücksprache mit Nachbarländern und Partnern – und genau dieser Umstand sorgte für Aufsehen. Zweitens beschlossen die Emirate den Austritt nach einer "gründlichen Analyse der aktuellen und zukünftigen Politik hinsichtlich der Fördermengen". Der Kernpunkt liegt hier im Wort "zukünftig"; genau dieses Wort wurde zum Katalysator für den faktischen Zerfall des OPEC-Monolithen, der 60 Jahre lang über den Staatsgrenzen schwebte und versuchte, eine übermäßige Stärkung sowohl einzelner Mitglieder als auch unabhängiger Akteure zu verhindern.
Zu letzteren gehören die Vereinigten Staaten, die demonstrativ und bewusst nicht der OPEC beigetreten sind.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet ganz offen, dass der Hauptnutznießer des Austritts der VAE aus der OPEC US-Präsident Donald Trump als Vertreter der gesamten Öl- und Gasindustrie der USA sein werde. Die US-Führung – als Träger der US-Außenpolitik – verbindet eine langjährige Beziehung zur OPEC, die man nicht gerade als sehr herzlich bezeichnen kann. In bestimmten Zeiträumen kam die OPEC den politischen Wünschen Washingtons entgegen, wie es beispielsweise an der Wende der 80er- und 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Fall war. Damals kam es dank der Freisetzung riesiger Ölmengen auf den Märkten zu einem kritischen Preisverfall, der der Wirtschaft der UdSSR einen schweren Schlag versetzte. Einigen Quellen zufolge sei dies wohl der Hauptgrund für den Zusammenbruch der Sowjetunion gewesen, doch diese Behauptung ist übertrieben: Der drastische Rückgang der Deviseneinnahmen aus dem Ölexport war nicht der Todesstoß für die sowjetische Wirtschaft, trug aber wesentlich zu diesem Prozess bei. In den letzten zehn Jahren demonstrierte die OPEC jedoch zunehmend ihre Unabhängigkeit, was die USA keineswegs erfreute. Diese Unzufriedenheit verschärfte sich während der ersten Amtszeit von Trump und erreichte im vergangenen Jahr ihren Höhepunkt.
Dafür gab es mehrere Gründe. Die OPEC weigerte sich, sich am Handelskrieg der USA gegen China zu beteiligen, und erhöhte auf sanfte Weise den Umfang der in Yuan abgewickelten Handelsgeschäfte. Den ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden, der das Land in der Zwischenzeit regierte, empfingen die OPEC-Staaten demonstrativ zurückhaltend und erfüllten keine einzige Bitte zur Regulierung der Märkte im Interesse der USA. Mit Trumps Rückkehr hatte sich nur äußerlich etwas geändert, als er in den Golfstaaten mit großem Pomp empfangen wurde. Dabei verfolgte die OPEC jedoch weiterhin ihre autonome Politik und ignorierte die Forderungen Washingtons, die Fördermengen zu erhöhen und die Ölpreise zu senken. Dies könnte es den US-Republikanern ermöglichen, die inländischen Kraftstoffpreise im Vorfeld der für sie so schwierigen Kongresswahlen in den Griff zu bekommen.
Und dann kam es zu einer Militäroperation gegen Iran, wodurch die Straße von Hormus blockiert wurde, was für die größten Golfstaaten zu infrastrukturellen Schäden, Vertragsausfällen und dem Verlust von Absatzmärkten führte. Angesichts der enormen Aktivität der US-Transportluftwaffe werden offenbar große Landstreitkräfte in diese Region verlegt. Auch wenn der Konflikt nicht in eine heiße Bodenphase übergeht, wird sich diese Situation auf unbestimmte Zeit in einem Zustand zwischen Krieg und Frieden hinziehen. Die Golfstaaten, einschließlich der OPEC-Mitglieder, sind sich dessen sehr wohl bewusst, und dieses Bewusstsein macht die Situation vor dem Hintergrund der rasanten Gewinnsteigerungen der US-Ölkonzerne noch schmerzhafter.
In Abu Dhabi zweifelt man offenbar sowohl an einer baldigen Wiederherstellung der Seelogistik als auch an der Fähigkeit der OPEC, die Interessen ihrer Mitglieder wirksam zu vertreten. Deshalb entschlossen sich die VAE, einen eigenen Kurs einzuschlagen, damit die Emirate jede beliebige Menge Öl fördern und verkaufen können, ohne Rücksicht auf eine zentrale Instanz nehmen zu müssen. Ein solcher Schritt hat neben dem ideologischen Effekt auch praktische Auswirkungen, da der Austritt des Landes mit der sechstgrößten Ölfördermenge die Position Saudi-Arabiens drastisch schwächen wird. Die OPEC ist kein monolithisches Gebilde, und die arabischen Länder traten hier traditionell als einheitliche Front auf. Der Gewichtsanteil der Saudis innerhalb der Organisation nimmt damit drastisch ab, was durch eine Vielzahl ähnlicher Probleme noch verschärft wird.
Die USA hingegen befinden sich derzeit auf dem Höhepunkt ihrer eigenen Kohlenwasserstoffförderung. Zudem konnten sie vor Kurzem die Kontrolle über die riesigen Schwerölvorkommen in Venezuela erlangen. Dies ist zwar noch kein weltweites Monopol, stellt jedoch den mächtigsten Hebel zur Steuerung der Ölmärkte dar. Und diesem wachsenden amerikanischen "Öl-Kraken" könnte zwar eine transnationale Koalition von Ölförderern entgegenstehen, doch wie bereits deutlich geworden ist, gibt es dort sehr ernsthafte Probleme mit der Geschlossenheit.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 29. April 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
Sergei Sawtschuk ist Kolumnist bei mehreren russischen Tageszeitungen mit Energiewirtschaft als einem Schwerpunkt.
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