Von Tamara Ruschenkowa
Ende September verweigerten die USA dem Anführer der sudanesischen Streitkräfte Abdel Fattah al-Burhan die Erteilung eines Visums – nur wenige Tage vor seiner geplanten Rede vor der UN-Generalversammlung in New York. Sudanesischen Quellen zufolge beruhte die Ablehnung auf Burhans Weigerung, ein von Massad Boulos, dem leitenden Berater des US-Präsidenten für arabische und nahöstliche Angelegenheiten, vorgeschlagenes 90-tägiges Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen.
Als am 15. April 2023 im Sudan ein Bürgerkrieg ausgebrochen war, hatten sich die USA geweigert, eine der Konfliktparteien zu unterstützen. Washington hatte offiziell eine neutrale Haltung sowohl gegenüber den sudanesischen Streitkräften (Sudanese Armed Forces/SAF) als auch gegenüber den Schnellen Eingreiftruppen (Rapid Support Forces/RSF) eingenommen und auf eine Machtübergabe an eine zivile Regierung gedrängt.
Allerdings hat sich die Politik der USA gegenüber den SAF und Burhan, der auch die von den meisten Ländern anerkannten Übergangsregierung "Souveräner Rat" leitet, in letzter Zeit verschärft. Neben der Verweigerung des Visums für Burhan drängt Washington die UNO zudem dazu, das bestehende Waffenembargo (das derzeit nur die weitgehend von der RSF kontrollierte Region Darfur betrifft) auf den gesamten Sudan auszuweiten.
Visumskandal
Die Entscheidung der USA, Burhan ein Visum zu verweigern, stieß bei der UNO und verschiedenen internationalen Beobachtern auf scharfe Kritik. Ein Sprecher des UN-Generalsekretärs António Guterres, Stéphane Dujarric, erklärte, Guterres sei "zutiefst besorgt darüber, dass dem Präsidenten des Souveränen Rates des Sudan Berichten zufolge noch kein Visum ausgestellt wurde".
Einige Tage vor der geplanten Reise hatte der Ständige Vertreter des Sudan bei der UNO, Al-Harith Idriss al-Harith Mohamed, ein Schreiben gesendet, in dem er die UNO um Intervention bat, damit Burhan an der Sitzung teilnehmen könne.
Das US-Außenministerium lehnte jedoch ab, sich zu der Visumkontroverse zu äußern. Sprecher Tommy Pigott erklärte, dass weder die sudanesischen Streitkräfte noch die RSF und ihre Anführer die legitime, verfassungsmäßige Regierung des Sudan repräsentieren.
"Die Vereinigten Staaten und Präsident Trump sind bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten, der ein ernst zu nehmender Partner für den Frieden im Sudan ist", fügte Pigott hinzu.
Gemäß dem Abkommen über den Sitz der Vereinten Nationen von 1947 sind die USA verpflichtet, die Erteilung von Visa für Vertreter von UN-Mitgliedstaaten, einschließlich politischer Gegner, zu erleichtern. In der Praxis sind die USA jedoch häufig von diesen Verpflichtungen abgewichen. Insbesondere hatte die Obama-Regierung dem ehemaligen sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir im Jahr 2013 die Einreise verweigert und diesen so daran gehindert, an der UN-Generalversammlung teilzunehmen.
Burhan, der am 24. September vor der Generalversammlung sprechen sollte, sagte seine Reise nach New York schließlich ab. Stattdessen wurde die sudanesische Delegation vom Außenminister geleitet.
Der Boulos-Plan
Der ursprünglich im Februar vorgelegte Vorschlag von Boulos umfasst fünf Kernpunkte: die sofortige Einleitung eines humanitären Waffenstillstands, die Gewährleistung des Zugangs für humanitäre Organisationen und den Schutz der Zivilbevölkerung, die Vereinbarung eines dauerhaften Waffenstillstands, den Übergang zu einer zivilen Regierung sowie den Wiederaufbau nach dem Krieg.
Im Rahmen der US-Initiative soll ein landesweiter 90-tägiger humanitärer Waffenstillstand die Lieferung humanitärer Hilfe erleichtern und die Zivilbevölkerung schützen; außerdem wird ein Koordinierungsausschuss eingerichtet, der die Umsetzung des Waffenstillstands überwacht. Der Plan sieht zudem die Einrichtung eines UN-Mechanismus unter Einbeziehung der Afrikanischen Union und der Liga der Arabischen Staaten vor, um einen begrenzten Truppenabzug zu überwachen und internationale Beobachter zu entsenden.
Im Juli äußerte die sudanesische Regierung Zweifel hinsichtlich der politischen Aspekte dieses Plans, unterstützte die humanitären Initiativen jedoch grundsätzlich. Die RSF hingegen stimmte einem dreimonatigen humanitären Waffenstillstand zu, lehnte jedoch die Forderung nach einem Truppenabzug aus eroberten Gebieten ab.
Im September bestätigte Boulos, dass die USA weiterhin mit Partnern – darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Ägypten, Katar, die Türkei und europäische Staaten – zusammenarbeiten, um einen humanitären Waffenstillstand im Sudan zu erreichen. Dennoch bleiben beide Seiten skeptisch: Die Armee befürchtet, dass eine Pause den RSF ermöglichen würde, sich neu zu formieren, während die RSF selbst nicht bereit sind, in Darfur und Kordofan an Boden zu verlieren.
US-Sanktionen und Vorwürfe des Einsatzes chemischer Waffen
In Washington wird Burhan von vielen als der günstigere Partner im Vergleich zu seinem Rivalen, dem RSF-Kommandeur Mohammed Hamdan Daglo, angesehen. Trotz der zahlreichen Kriegsverbrechen der RSF – insbesondere nach ihrer Eroberung al-Faschirs, der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Darfur – hat Washington jedoch offiziell eine gleichberechtigte Haltung gegenüber beiden Seiten eingenommen und sich als Vermittler positioniert.
Die USA haben wiederholt Sanktionen sowohl gegen die Streitkräfte als auch gegen die RSF verhängt, wobei der Schwerpunkt jedoch auf den sudanesischen Streitkräften und General Burhan lag. Die erste Sanktionsrunde wurde am 26. und 27. Juni 2025 verkündet. Damals erklärte das US-Außenministerium, die Streitkräfte hätten bei Zusammenstößen mit den RSF im Jahr 2024 chemische oder biologische Waffen (angeblich Chlor) gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Washington bezeichnete dies als Verstoß gegen das Chemiewaffenübereinkommen und das Völkerrecht.
Die sudanesische Regierung wies die Vorwürfe entschieden zurück, bezeichnete sie als unbegründet und politisch motiviert, versicherte, dass der Sudan chemische Waffen weder herstelle, lagere noch einsetze, und bekundete ihre Bereitschaft, bei einer technischen Untersuchung der Vorwürfe mit den USA zusammenzuarbeiten.
Die Sanktionen schränkten den Export sensibler amerikanischer Güter und Technologien in den Sudan erheblich ein und verhängten ein vollständiges Verbot für den Zugang des Sudan zu Krediten, Bürgschaften und jeglicher Form finanzieller Unterstützung durch die US-Regierung.
Ein zweites Sanktionspaket wurde im Juni und Juli 2026 umgesetzt, wodurch der Zugang der Regierung zu internationalen Finanzmitteln weiter eingeschränkt, der Export bestimmter amerikanischer Güter in den Sudan verboten und sudanesischen Fluggesellschaften die Nutzung des US-Luftraums untersagt wurde. Nach Angaben des Sprechers des US-Außenministeriums bleiben diese Sanktionen so lange in Kraft, bis der Sudan "alle chemischen Waffen und Produktionsanlagen unter internationaler Überwachung" beseitigt hat.
In Bezug auf die RSF haben die USA individuelle Maßnahmen ergriffen. Im April verhängte der UN-Sicherheitsrat auf Initiative Washingtons Sanktionen gegen vier RSF-Führer, darunter der Bruder von Daglo, und begründete dies mit Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in al-Faschir. Dennoch richten sich die wichtigsten wirtschaftlichen Druckmittel gegen die sudanesischen Streitkräfte.
Kritiker argumentieren, dass diese Sanktionen zwar darauf abzielen, Verstöße gegen das Völkerrecht zu ahnden, jedoch die humanitäre Krise verschärfen könnten, indem sie nicht nur die Lieferung von Waffen, sondern auch von lebensnotwendigen Gütern einschränken, da alle Ressourcen in militärische Operationen umgeleitet werden, was zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen führt.
Legitimiert die US-Politik die Spaltung?
Nach dem Fall von al-Faschir – der letzten Hochburg der Armee in Darfur – festigten die RSF ihre Kontrolle über die gesamte Region. Im Juli 2025 verkündeten sie die Bildung einer Parallelregierung in Nyala, der Hauptstadt des Bundesstaates Süd-Darfur. An der Spitze des aus 15 Mitgliedern bestehenden Präsidialrats stand der RSF-Kommandeur Daglo persönlich.
Die USA haben diese Struktur zwar nicht offiziell anerkannt, gehen aber de facto mit ihr als legitimem politischem Akteur um, selbst nach den UN-Sanktionen gegen ihre Mitglieder. Washington betrachtet die RSF weiterhin als potenziellen Teilnehmer an Friedensgesprächen; diese Haltung legitimiert jedoch unbeabsichtigt die Zersplitterung des Sudan, indem sie die RSF als parallele politische Einheit mit eigener Verwaltung und eigener Agenda anerkennt. Die Vorschläge bergen die Gefahr einer faktischen Teilung des Landes, bei der die sudanesische Armee den Norden, Osten und das Zentrum des Landes kontrolliert, während die RSF Darfur und Teile des Südens beherrschen.
Russlands Veto
Am 11. September 2026 beschloss der UN-Sicherheitsrat einstimmig, das bestehende Waffenembargo gegen die Region Darfur um einen weiteren Monat zu verlängern – eine Maßnahme, die ursprünglich 2004 inmitten des brutalen ethnischen Krieges in Darfur verhängt worden war. Die Bemühungen der USA, diese Beschränkungen auf den gesamten Sudan auszuweiten, stießen jedoch auf starken Widerstand Russlands und Chinas. Die stellvertretende Ständige Vertreterin Russlands bei den Vereinten Nationen Anna Jewstignejewa stellte die Frage, warum der Rat gerade zu diesem Zeitpunkt aufgefordert werde, das Embargo auszuweiten, und wies darauf hin, dass ähnliche Bedenken im Jahr 2023 nicht geäußert worden seien, als die RSF eine Bedrohung für Khartum und andere Großstädte darstellten.
"Die sudanesische Regierung und ihre Streitkräfte haben nun einen unbestrittenen Vorteil vor Ort und fungieren als Garanten für staatliche Institutionen, nationale Einheit und den Schutz der Zivilbevölkerung", sagte sie und wies darauf hin, dass alle verfügbaren Ressourcen notwendig seien, um diese Ziele zu erreichen.
Die USA argumentieren, dass der derzeitige Sanktionsrahmen veraltet sei und die Realitäten des andauernden Konflikts nicht mehr widerspiegele. Russlands potenzielles Veto hat eine US-Resolution, die darauf abzielte, das Embargo auf den gesamten Sudan auszuweiten und den Sanktionsdruck auf beide Konfliktparteien zu erhöhen, effektiv blockiert.
Die USA geben jedoch nicht nach. Am 8. Oktober verlängerte der UN-Sicherheitsrat das Waffenembargo für die sudanesische Region Darfur um weitere zwei Monate bis zum 11. Dezember und verabschiedete einstimmig einen von den USA eingebrachten Resolutionsentwurf. Erneut ist die Verlängerungsfrist so kurz wie möglich gehalten – im Wesentlichen handelt es sich um eine technische Verlängerung. Im Laufe dieser zwei Monate werden die Mitgliedstaaten die Verhandlungen über umfassendere Änderungen des Sanktionsregimes fortsetzen. China, Russland sowie die Demokratische Republik Kongo, Somalia, Liberia und Pakistan lehnen die US-Initiative ab und befürworten stattdessen ein Sanktionsregime, das streng auf Darfur beschränkt ist, ohne dessen Geltungsbereich auszuweiten.
Kampagne in den US-Medien
Nur wenige Tage vor der Abstimmung im Sicherheitsrat begannen die US-Medien erneut, über den angeblichen Einsatz chemischer Waffen durch die sudanesische Armee zu berichten – ein entscheidender Faktor, der die US-Initiative zur Ausweitung des Embargos beeinflusste. Anfang September veröffentlichten die New York Times und die Washington Post Ergebnisse einer gemeinsamen Untersuchung, die auf einem angeblich durchgesickerten vertraulichen Dossier basierte, das Videos, Fotos, Baupläne und abgefangene Kommunikationsdaten umfasste – insgesamt rund 150 Dateien.
Boulos führte bei der Vorstellung seiner Initiative vor dem UN-Sicherheitsrat den Einsatz chemischer Waffen ausdrücklich als eine der Begründungen für die Notwendigkeit einer Verlängerung des Embargos an.
Russland und China lehnen diesen Vorschlag ab, obwohl es keine formelle Abstimmung über die US-Resolution gab. Laut Jewstignejewa wird Moskau "nicht einmal den geringsten Hinweis auf eine Ausweitung der Restriktionen zulassen". Chinas UN-Vertreter Sun Lei erklärte, eine Ausweitung des Embargos könne die humanitäre Lage verschlimmern und zu einer weiteren Zersplitterung des Sudan führen.
Die Boulos-Initiative erfolgt vor dem Hintergrund einer offensichtlichen Verschiebung der Kriegsdynamik im Sudan. Die RSF sind von einer neuen Welle von Desertionen betroffen; unterdessen verstärkt die sudanesische Armee ihre Operationen in Darfur und in der Region des Blauen Nils. Zudem hat sie in Nord-Kordofan bedeutende Erfolge erzielt, indem sie in den letzten Monaten mehrere strategische Stellungen eingenommen hat. Diese Offensive sicherte den "National Export Highway", der Khartum (über Omdurman) mit al-Obeid verbindet, der Hauptstadt von Nord-Kordofan, und verstärkte den Druck auf die Versorgungslinien der RSF.
Die Risiken einer US-Intervention
Trotz der erklärten friedensstiftenden Absichten birgt das Engagement der USA in sudanesischen Angelegenheiten die Gefahr, eine ohnehin schon schwierige Lage weiter zu verkomplizieren. Erstens schafft die Verknüpfung von Visaerteilung mit bestimmten Waffenstillstandsbedingungen einen gefährlichen Präzedenzfall für den Einsatz des Zugangs zu internationalen Institutionen als Druckmittel.
Zweitens verstärken die US-Initiativen faktisch die Spaltung des Sudan, indem sie die RSF neben der offiziellen Armee als legitime Macht anerkennen. Dies könnte beide Seiten in eine dauerhafte Spaltung treiben, anstatt einen Kompromiss innerhalb eines vereinten Staates zu fördern.
Schließlich könnte die Ausweitung von Sanktionen und Embargos ohne Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten eine noch größere humanitäre Katastrophe auslösen, da dadurch nicht nur die Lieferung von Waffen, sondern auch von lebensnotwendigen Gütern eingeschränkt würde. Die Geschichte zeigt, dass einseitiger Druck selten zu Frieden führt; häufiger verlängert er Konflikte und schürt Radikalisierung. Die US-Politik gegenüber dem Sudan läuft Gefahr, die Spaltungen im Land zu vertiefen und den Konflikt zu verlängern, wodurch der Sudan möglicherweise zu einem weiteren "eingefrorenen" Krisenherd auf der afrikanischen Landkarte wird.
Übersetzt aus dem Englischen.
Tamara Ruschenkowa ist Orientalistin, Dozentin am Institut für Geschichte des Nahen Ostens der Staatlichen Universität St. Petersburg und Expertin für den Telegram-Kanal "Arabisches Afrika".
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