"Kein Spaziergang" – Was das Pentagon gegen Kuba plant

Nachdem die Lage im Iran-Konflikt stagniert, richten die USA ihre Aufmerksamkeit erneut auf Kuba. Nach Angaben von Quellen US-amerikanischer Medien plant das Pentagon einen Militäreinsatz. RIA Nowosti analysiert, welche Risiken das für Washington birgt.

Von Renat Abdullin

Widersprüchliche Ankündigungen

US-Präsident Donald Trump verspricht, sich "ernsthaft" Havannas anzunehmen. Bisher beschränkt sich das Weiße Haus bloß auf eine Wirtschaftsblockade, doch eine gewaltsame Option wird regelmäßig erwägt. Laut Trump ist Kuba nach Iran als Nächstes an der Reihe.

Quellen der Zeitung USA Today meldeten, das Pentagon arbeite an einem Angriffsplan. Doch vor dessen Umsetzung sei eine politische Entscheidung notwendig.

Trump ist kaum bereit, an zwei Fronten gleichzeitig zu kämpfen. Daher ist eine US-Aggression vor einer Klärung der Lage im Nahen Osten kaum zu erwarten. Zudem besteht Hoffnung auf eine diplomatische Regulierung.

Trump ist in der Lage, Kuba Wohlstand und gegenseitig vorteilhafte Zusammenarbeit zu versprechen, um wenige Wochen darauf eine Annexion "in einer oder anderen Form" anzudrohen und zwischenzeitlich zu behaupten:

"Ich kann die Insel befreien oder besetzen, ich kann alles tun, was ich will."

Bekannterweise hat US-Außenminister Marco Rubio eine kubanische Abstammung. Er ist ein aktiver Gegner der Regierung in Havanna, sprach allerdings von seinem Unwillen, sie zu stürzen.

Vizepräsident J. D. Vance sympathisiert ebenfalls wohl kaum mit den Ideen Fidel Castros. Doch im Februar regelte er ohne großen Aufhebens den Zwischenfall mit dem Schusswechsel zwischen kubanischen Grenzwächtern und einem US-Boot, obwohl dies einen sehr bequemen Casus Belli hätte liefern können.

Zur Schau gestellte Rhetorik?

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel betont in seinen Kommentaren zu den Drohungen der USA, niemand wolle einen Krieg, und Havanna sei offen für einen Dialog. Doch im Falle einer Aggression werden die Kubaner Widerstand leisten, versicherte er:

"Wir werden uns wehren. Und wenn wir sterben müssen, werden wir sterben."

Díaz-Canel warnte vor Risiken für die gesamter Region.

In den USA gibt es keine nennenswerte Opposition in der Kubafrage. Möglicherweise hängt dies mit historischen Ansprüchen der USA auf die Freiheitsinsel zusammen: Washington schwärmt jahrzehntelang, seit 1959, von Havanna.

Doch gleichzeitig empfindet die Gesellschaft diese unter Politikern beliebte Idee als "Hintergrundrauschen". Laut Ergebnissen einer Umfrage von CNN befürwortet die überwiegende Mehrheit der US-Amerikaner, 64 Prozent, die gegenwärtige Außenpolitik der USA nicht. Freilich gilt das vor allem für die Iran-Kampagne.

Experten bewerten die militärischen Pläne des Pentagon mit Vorsicht. So merkt der Leiter des Florida-Instituts für Staatspolitik und Kubaexperte Brian Fonseca an:

"Heute ist das bloß zur Schau gestellte Rhetorik."

Nach Fonsecas Ansicht hat sich Washington noch nicht auf eine tatsächliche Strategie festgelegt. Ein militärischer Sieg sei sicher, vermutet er. Doch danach wären die USA mit dem Hauptproblem konfrontiert – der sozialen und politischen Umgestaltung.

Pro-US-amerikanisches Regime realistisch

Russische Experten halten indessen unterschiedliche Varianten der Lageentwicklung für möglich.

Insbesondere betont der Militärhistoriker Juri Knutow, die Wahrscheinlichkeit der Restauration eines pro-US-amerikanischen Regimes auf Kuba sei hoch. Davor könnte ein militärischer Einsatz kommen, der unter Berücksichtigung der Nahost-Erfahrung geplant werden könnte. Knutow führt aus:

"Das könnten eine verstärkte Blockade und Angriffe gegen militärische Objekte und Stützpunkte sein. Ohne eine Landung – bloß die Niederschlagung der Luft- und der Raketenabwehr nach dem gleichen Schema wie in Iran. Doch weil das kubanische Energiesystem kaum funktioniert, hoffen die USA auf massenhafte Straßenproteste. Unter diesen Bedingungen werden die USA einen Regimewechsel vorschlagen. Sie wollen ohne Verluste siegen. Daher läuft eine Vorbereitung, doch nur im Hinblick auf den Einsatz der Marine, Luftwaffe und Präzisionswaffen. Ich wiederhole, eine Landung wird nichts bringen."

Auf dem politischen Feld werde Washington wahrscheinlich auf die kubanische Diaspora in den USA setzen, vermutet der Historiker:

"Viele Emigranten oder ihre Nachkommen werden wohl mit Vergnügen zurückkehren, um Politik und Wirtschaft umzubauen. Ein solches Szenario erscheint aus meiner Sicht am realistischsten, besonders im Hinblick darauf, dass die ältere Generation der Revolutionäre verschieden oder im hohen Alter ist. Und für die Jugend bedeuten die Ideen des Sozialismus wenig."

Der Militärexperte Wassili Dandykin meint, dass die USA dennoch mit ernsthaftem Widerstand konfrontiert würden:

"Ungeachtet dessen, was die Jugend sagt, ist Kuba immer noch Kuba, dort gibt es Verstecke und eine reiche Erfahrung des Partisanenkrieges. Natürlich ist das nicht Iran. Doch zu einem Spaziergang für die USA wird ein Militäreinsatz ebenfalls nicht."

Eine der Hauptschwierigkeiten der Freiheitsinsel ist gegenwärtig zweifellos die allgemeine Schwächung durch die Energieblockade. Dies betonen sämtliche von RIA Nowosti befragten Experten. Kuba allein durch humanitäre Hilfe einzelner Staaten mit Öl zu versorgen, ist selbstverständlich unmöglich.

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